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Warum Qualitätsmanagement weit mehr als nur Qualitätssicherung ist

Fachartikel von William Kessler | 23.07.2020

Zuerst einmal sollte man betrachten in welcher Zeit sich das erste Mal mit der Qualität von Produkten beschäftigt wurde. Über viele Jahrhunderte beherrschte das Handwerk die Produktion. Die Qualität der Produkte war sehr unterschiedlich und meist von der Erfahrung des Handwerkers abhängig. Im Rahmen der industriellen Revolution etwa gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Fertigung durch Maschinen und durch Prinzipien wie der Arbeitsteilung, Standardisierung und Fließbandfertigung unterstützt. Schnell merkten die Unternehmer, dass qualitativ hochwertige Produkte minderwertige Alternativen vom Markt verdrängen. Die hochstandardisierten Fertigungsabläufe wurden nun durch Qualitätskontrollen der Produkte ergänzt. Ab circa 1900 wurden somit die defekten Teile bereits in der Produktion aussortiert.

Der Ausschluss solcher defekten Teile wurde mit steigender Stückzahl unrentabel. Nach einigen Jahren entwickelte Walter A. Shewhart die Methodik der statistischen Prozesslenkung und die damit verbundenen Qualitätsregelkarten.

Diese Regelkarten erfassten einzelne Parameter des Fertigungsprozesses wie Einpressdruck, Temperatur, Stromspannung, Mischverhältnis des Materials, Neigung des Werkzeugs und viele weitere. Abweichungen dieser Prozessparameter deuten auf eine Abweichung der Produktqualität hin und können statistisch berechnet werden. Dies impliziert, dass die Änderung einiger Parameter in den ersten Fertigungsschritten voraussichtlich zur Produktion eines defekten Bauteils führen werden. Der Handwerker muss bei Abweichungen sozusagen dafür sorgen, dass sich seine Fertigungsparameter im geforderten Bereich befinden und notfalls die Maschine einstellen oder für passende Rahmenbedingungen sorgen. Analog hierzu wird heute die gesamte Methodik des Six-Sigmas genutzt.

 

 

Im Zuge der statistischen Prozesskontrolle wurden später auch präventive qualitätssichernde Maßnahmen eingeführt. Die wichtigste Annahme war, dass die Fehlererkennung frühzeitig erkannt werden muss, um die Fehlerbeseitigungskosten möglichst gering zu halten. Somit wurde bereits in der Entwicklung der Produkte eine Methode gesucht potentielle Fehlerquellen zu identifizieren, ihre Auftretenswahrscheinlichkeit, die Entdeckungswahrscheinlichkeit und die Folgen der Identifikation zu quantifizieren. Diese Faktoren wurden anhand der Risikoprioritätszahl quantifiziert und Maßnahmen zur Abstellung und Prävention definiert.

 

 

Ab dem Jahre 1970 wurde erkannt, dass gute Qualität der Produkte und Dienstleistungen nicht nur durch die Fertigungs- und Entwicklungsprozesse bedingt sind, sondern dass das gesamte Unternehmen, deren Strukturen und Prozesse zu einer Verbesserung der Qualität führt. Der Begriff des Total-Quality-Managements wurde vor allem durch Toyota und deren Systemziel der Qualitätsverbesserung dauerhaft geprägt. Das System des Total-Quality-Management bedarf der vollen Unterstützung aller Mitarbeiter eines Unternehmens.

 

 

Eine wichtige Änderung des Qualitätsgedankens umfasste auch der Begriff der Qualität im TQM, denn die Qualität wird vom Kunden definiert. Der Kunde bestimmt vielschichtig die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen. So kann zum Beispiel ein für den Kunden hochqualitatives Produkt einige Fehler aufweisen, jedoch ist der Kunde mit dem ganzheitlichen Paket des Produktes (wie z.B. Design, Verpackung oder Kundenservice) sehr zufrieden.

 

 

Im Jahre 2000 fand die ganzheitliche Betrachtung des Qualitätsgedanken dann auch ihren Platz in der DIN EN ISO 9001. Mittlerweile befassen sich aktuelle Gedanken des Qualitätsmanagements teilweise mit der Firmenkultur oder Unternehmensphilosophie zur ganzheitlichen Steigerung der Wertschöpfung und Verbesserung der Qualität der erzeugten Produkte und Dienstleistungen (siehe nachfolgende Abbildung). Mein Universitätsprofessor für Qualitätsmanagement hielt es auch für sehr wahrscheinlich, dass die nächste Stufe der Qualitätsphilosophie die „Total Quality Supply Chain Management“ sein wird.

 

 

Fazit

Das Qualitätsmanagement ist mittlerweile ein sehr weitreichendes Thema, welches weit über die Betrachtung der Qualitätssicherung hinausgeht. Geboren zur Zeit der Industrialisierung und gewachsen zu einer Aufgabe für das Management und sämtliche Stakeholder. Ziel der aktuellen Qualitätsmanagementphilosophie ist die Schaffung einer Unternehmenskultur, welche Strukturen und Prozesse schafft, welche den notwendigen Output erzeugen, um die Kunden im höchsten Maße zufrieden zu stellen.